Die Wiese im Herbst – eine kostenlose Schlammpackung

von m. swiergot (Kommentare: 0)

Der Herbst 2019 ist ein Herbst, wie er im Buche steht. Das Wetter unbeständig und nass, kaum Sonnenschein in Sicht, die Temperaturen schon im November um die null Grad. Jeder Gang auf die Wiese bedeutet nasse Schuhe und fette Lehmklumpen an Sohlen, Handschuhen und Geräten. Das Schrubben am Abend, mit kaltem Wasser im kalten Keller eines Mietshauses, ist wahrlich keine schöne Belohnung fürs Ehrenamt.

Auch sind die herbstlichen Arbeiten nicht gerade die attraktivsten auf der Wiese, in diesem Fall: Ampfer stechen und Laub rechen. Oder präzisieren wir mal: Rund 50 Exemplare des Stumpfblättrigen Ampfers aus der Wiese holen und etwa ein Schwimmbecken voll Laub zusammenrechen.

Wie gut, dass ich mir vom Crowdfunding-Geld zwei Helferlein besorgen konnte, die solche Arbeiten erheblich erleichtern. Da ist einmal der Ampferstecher, mit dessen Zinken man – im besten Fall – die ganze Pflanze an der Wurzel aus dem Boden hebeln kann. Und dann gibt es da noch extra breite Laubrechen aus Kunststoff, mit denen man im Nu große Mengen an Blättern zusammengekehrt hat. In beiden Fällen ist Dauerregen dem Vorankommen allerdings nicht so förderlich. Einmal klebt der Ampfer zu satt im Lehmboden, ein andermal ist das nasse Laub nur schwer zu bewegen.

Und so hoch gelobt der Ampferstecher auch ist: Erwischt man die unterirdische Wurzel nicht richtig, bricht sie ab und man kann sie nicht mehr heraushebeln. In diesem interessanten Beitrag auf YouTube (heißes Wasser gegen den Ampfer) wird allerdings behauptet, dass nur die ersten 15 bis 20 Zentimeter der Pflanze wieder austriebsfähig sind. Wenn das stimmt, wäre es also nicht schlimm, wenn die Restwurzel im Boden verbleibt.

Große Bäume machen große Haufen

Dass große Bäume viel Laub abwerfen, ist mir übrigens erst jetzt aufgefallen. Will sagen, mir wurde erst jetzt bewusst, dass das Laub von Walnuss und Eiche nicht einfach liegenbleiben kann, weil es sonst die Wiese vollkommen bedeckt. Früher hatte die Stadt im November immer ein zweites Mal gemäht. Dadurch wurde das Laub fein zerkleinert und auf der Fläche verteilt. Dies ist nun nicht mehr möglich.

Die Dimensionen dieses Problems haben mich ein weiteres Mal überrascht, um nicht zu sagen überrumpelt. Ich habe noch nie einen Garten besessen; was echte Laubhaufen sind, war mir vorher einfach nicht klar. Einen Teil der Walnussbaum-Blätter habe ich nun am Rand der unteren Wiese aufgeschichtet, dies auch als Winterquartier für Kleintiere. Ein weiterer Teil deckt mit Gras vom letzten Sensenschnitt die Brennesseln in der Mitte der Wiese ab. Und ein dritter Teil bleibt auf der Baumscheibe des Walnussbaums liegen, weil sich dort ebenfalls Brennesseln breitmachen. Fehlt also nur noch das Laub der stattlichen Eiche.

Auffällig ist, dass der Maulwurf nun auch unter dem Walnussbaum herumgräbt. Da war er vorher nie. Ich wusste zuerst nicht, wie ich das finden soll. Würde er den Baum durch seine zahlreichen Gänge schwächen? Doch dann kam mir die Idee, dass er womöglich auf die Larven der Walnussfruchtfliege gestoßen ist. Das wäre natürlich ein feiner Schachzug der Natur, wenn er diese im Winter brav verspeisen würde. Und außerdem ist die Walnuss ja ein Tiefwurzler, seine Gänge werden ihr also kaum schaden.

Wer weiß, vielleicht hat der Maulwurf auch richtig Lust bekommen, sein Revier voll auszukosten – jetzt, wo keine Maschinen mehr fahren. Er wird den lehmigen Boden ordentlich auflockern, nachdem dieser über viele Jahre verdichtet worden ist. Eine Kleingarten-Besitzerin hat erzählt, dass der Maulwurf regelmäßig zu ihr geflüchtet war, wenn die Stadt gemäht hatte.

Neben diesen groben Arbeiten muss manchmal eine kleine Belohnung her. Ich habe also auch schon die Rosen gepflanzt, die den Hang befestigen sollen. Es sind dann doch zwei Meilland-Sorten geworden, einmal Pink Meidiland, einmal Bingo Meidiland, beides ADR-Rosen von 1987 bzw. 1994. Sie gelten als Kleinstrauch- oder Bodendeckerrosen mit Wildcharakter, sind sehr robust und blühen durchgehend in Rosa, Weiß und Pink.

Die lange Blüte war letztlich kaufentscheidend, denn neben den Insekten sollen ja auch die Menschen Freude haben, die hier vorübergehen. Wildrosen blühen meist nur kurze Zeit, das wird die Hundsrose zeigen, die ich zusätzlich in die obere Wiese gesetzt habe.

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