Vom Eis befreit...

von m. swiergot (Kommentare: 0)

Hummel auf Krokus
Insekten brauchen Frühblüher wie Krokus, Blausternchen, Lungenkraut, Weide oder Kornelkirsche.

Na ja, vom Eise befreit ist in Bielefeld ja in der Regel gar nichts. Trotzdem kommt im März oft dieses gewisse Frühlingsgefühl auf: Klare Luft, frische Farben, die feuchte Erde duftet und die ersten Hummeln sind unterwegs. Auf der Wiese entdecke ich zu meinem Erstaunen neben etwas Wiesenschaumkraut zwei Echte Schlüsselblumen. Womöglich sind sie aus den Kleingärten eingewandert. Plötzlich habe ich die Idee, dass in der Wiese noch weitere Überraschungen stecken – wenn man sie denn mal wachsen ließe.

Ich schreibe ans Umweltamt und schlage vor, die Wiese mit der Sense zu pflegen, um diesen schönen Ort naturnaher zu gestalten. Offenbar habe ich einen guten Zeitpunkt erwischt, da die Stadt seit geraumer Zeit verstärkt Projekte zur Biodiversität vorantreibt. Umgehend meldet sich Thomas Finke vom Umweltbetrieb bei mir, und ein paar Woche später treffe ich mich mit ihm und seinem Kollegen Stefan Meyer an der Wiese. Auch Wiebke Homann vom NABU ist dabei, weil der Verein immer nach geeigneten Stellen für Nistkästen sucht.

Schnell werden wir uns einig: Ich darf hier Sensenkurse veranstalten oder selbst sensen – und wenn ich das Heu nicht loswerde, fährt es der UWB mit der Mulde zur Biogasanlage. Aber natürlich ist es mein Traum, gerade dieses wertvolle Heu an Tierhöfe oder Tierbesitzer abzugeben, um den Kreislauf wiederherzustellen, der früher die Wiesenbewirtschaftung gekennzeichnet hat. Je artenreicher die Wiese wird, desto mehr Kräuter sind enthalten. Außerdem hat loses Heu, wenn es richtig getrocknet wurde, eine bessere Qualität als Ballenheu.

Ich erhalte eine offizielle Urkunde als Baum- und Wiesenpatin und unterschreibe eine Pflegevereinbarung. Am liebsten würde ich sofort loslegen, aber es ist noch viel zu früh. Ich stürze mich stattdessen in den E-Mail-Verkehr und informiere die Naturschutzvereine über die neugewonnene Fläche. Ich hoffe dadurch auch MitstreiterInnen für das Sensen zu gewinnen. Alle freuen sich und sind sehr interessiert, aber natürlich mit ihren eigenen Flächen zur Genüge ausgelastet.

Auf die Schnelle werde ich also wohl niemanden finden, der die Wiese im Juni für den ersten Schnitt mit mir senst. Und das Sensen ist ja noch die geringste Arbeit, viel aufwendiger ist das Trocknen. Das Heu muss jeden Tag gewendet werden, und es sind dafür mehrere trockene, sonnige Tage nötig. Danach muss es sofort abgefahren werden.

Wer sich praktisch in der Biotoppflege engagieren will, kann dies in Bielefeld übrigens auf vielfältige Art und Weise tun:

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