Die wilden Brombeeren müssen weichen

von m. swiergot (Kommentare: 0)

Wühlmaus-Gang am Hang
Das Häckseln hatte eine dicke Mulchschicht hinterlassen – die Wühlmäuse freut's.

Ich weiß genau, dass ich vor zwei Jahren hier noch Goldnesseln gesehen habe, ganze Felder von Goldnesseln. Dass darüber die Büsche sehr hoch standen und sehr vielfältig waren, Liguster und Hartriegel waren dabei. Doch mit dieser Pracht ist es heuer vorbei, offenbar rodet die Stadt seit geraumer Zeit den Hang zwischen den Wiesenteilen bis auf den Stumpf. Danach wird gehäckselt, und die Holzschnitzel werden werden gleich vor Ort verteilt. Mittlerweile ist die Mulchdecke dadurch rund 30 Zentimeter hoch – die Wühlmäuse freut es.

Als ich jetzt im Hochsommer die meterlangen Ranken der Wilden Brombeere entdecke, die schon auf den Fußweg übergreifen, kann ich das gut verstehen. Keine Kommune hat Zeit, dieses robuste Gewächs herauszuschneiden oder nach den Wurzeln zu graben. Trotzdem finde ich es schade, dass die anderen Pflanzen darunter leiden. Auch für die Tiere muss das Roden jedesmal eine kleine Katastrophe sein. Ich beschließe deshalb, den Hang selbst auszulichten und der Stadt Bescheid zu sagen, dass sie sich nicht mehr kümmern muss.

Wieder so ein kleines Mammut-Projekt. Aber ich spüre auch eine Verpflichtung: Ein bisschen Naturschutz geht nicht, auch die Hecke gehört zur Wiese, Liguster und Hartriegel sind schließlich gute Vogelnährgehölze (die Brombeere im Grunde auch). Also mache ich mich frisch ans Werk. Und weil Brombeerdornen so richtig weh tun können, bemühe ich mal wieder das Internet und finde in einem Gartenforum nach längerer Suche den Tipp mit den – Schweißerhandschuhen.

Die richtigen Handschuhe für Brombeeren

Sie sind aus Spaltleder und haben Stulpen für die Unterarme. Ich wähle die höchsten Schutzziffern der EN 388, die ich finden kann. Vor allem die vierte Ziffer – sie steht für Durchstichfestigkeit – sollte eine 3 oder 4 sein. Und was soll ich sagen: Wilde Brombeeren einzudämmen ist eine mühselige und schweißtreibende Arbeit. Aber mit diesen Handschuhen zu arbeiten, ist eine wahre Freude, ich kann die dornigen Ranken satt umfassen und sogar vorsichtig aus den Büschen ziehen.

Nach einigen Tagen liegen unzählige Stapel dieser Ranken quer über die Wiese verstreut. Wohin bloß damit? Eine Totholzhecke aufschichten? Die Wiese damit vor Hunden schützen? Ein Versteck für Vögel bauen? – Nach und nach werde ich die Ranken in den kommenden Woche verwerten, aber einmal mehr wird mir klar, warum die Stadt hier sofort gehäckselt hat: Auch getrocknet sind sie äußerst unhandlich und gefährlich.

Nachdem die Brombeeren 'raus sind, schneide ich die verbliebenen Büsche zurück. Durch das ständige Roden haben sie sich immer wieder vom Boden an geteilt und viel zu viele dünne Triebe ausgebildet. Um die Brombeere künftig rechtzeitig zu entdecken, schneide ich die Seitentriebe der Büsche bis auf eine Höhe von etwa 20 Zentimter ab. Insgesamt bin ich dennoch unentschlossen: Der Liguster ist sehr lückig, soll er überhaupt stehenbleiben? Vielleicht werde ich einfach kräftige Bodendecker dazunehmen, damit neue Brombeertriebe gut beschattet werden.

Die verbliebenen Triebe decke ich mit Mulch und mit Blumentöpfen sowie teilweise mit schwarzer Folie ab. Ich werde sie beobachten müssen und während des Winters sofort eingreifen, wenn ein neuer Trieb sich zeigt. Denn ab dem Frühling wird die widerstandsfähige Pflanze Gas geben, und womöglich bin ich völlig ernüchtert, wenn sie wieder überall aus dem Boden durchtreibt.

Die richtigen Bodendecker zur Hangbefestigung

Was zurückbleibt, ist ein ziemlich kahler Hang mit vielen Wühlmauslöchern, der nicht gerade erosionssicher aussieht. Aber nun gut, das ist ja nur der Anfang. Der künftigen, bienen- und vogelfreundlichen Gestaltung sind kaum Grenzen gesetzt, außer der starken Beschattung durch die Eiche. Ich lese mich durch verschiedene Gartenratgeber und habe für die Bepflanzung folgende Bodendecker im Auge: Waldsteinie, Storchschnabel, Gedenkemein, Teppich-Johanniskraut, Steinsame, Lungenkraut, Günsel. Ein Mix aus Früh- und Spätblühern ist mir wichtig, aber auch eine gute Durchwurzelung.

Am unbeschatteten Teilstück des Hangs sollen es dagegen Rosen werden. Zuerst dachte ich an seltene Sorten wie Rosa agrestis oder Rosa arvensis. Aber sie werden zu groß und würden die darunter liegende Wiese beschatten. Das ist ein großer Nachteil der Fläche und auch des darüber liegenden Kleingarten-Gebietes: Sie liegen am Teuto und zeigen in Richtung Nordosten, d. h. der Wald wirft ab spätnachmittags lange Schatten, ab Herbst verschwindet die Sonne schon um 14 Uhr. Jede zusätzliche große Bepflanzung sorgt also für neue Schatten und mehr Feuchtigkeit.

Auch für die Rosen ist also eine neue Internet-Recherche fällig: Sie sollten nicht so hoch wachsen, einfache (also nicht gefüllte) Blüten besitzen, keine Ausläufer treiben, aber dennoch den Hang befestigen. Auch robust müssen sie sein und die Feuchtigkeit an dieser Stelle gut vertragen. Für den Wildrosen-Charakter finde ich außerdem weiße oder rosafarbene Blüten passender als Rot oder Orange. Ich gebe mir noch etwas Zeit, denn Rosen kann man ja den ganzen Winter über pflanzen.

Nachtrag 29.10.: Ein paar Wochen später kam mir der Gedanke, dass Efeu die Kraft haben könnte, die Brombeere zu überwuchern. Ich habe also viele Schnittlinge in den schattigen Hang gesteckt in der Hoffnung, dass sie anwachsen. Das hätte auch den Vorteil, dass der Hang nur flach bewachsen wird und – da er sowieso unter der Eiche liegt – nicht noch mehr Schatten auf das Grundstück der Nachbarin wirft. Doch womöglich ist Efeu nur der dornenlose Bruder der Brombeere und man wird es nicht mehr los...?)

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