Winterfütterung und Eidechsenhaus zum Zweiten

von m. swiergot (Kommentare: 0)

Erster Frost im Dezember
Der erste Frost ist auf der Wiese angekommen.

Neulich dachte ich noch, im Winter ginge mir die Arbeit auf der Wiese aus, aber da muss ich mir wohl keine Sorgen machen. So habe ich jetzt kurzerhand den Steinhaufen für die Eidechsen noch einmal abgetragen und daneben eine neue Grube ausgehoben. Grund dafür war, dass ich noch mehr Informationen zu den Überwinterungshilfen für die Tiere gefunden hatte. Außerdem begannen die Brombeerranken, die eigentlich als Schutz gedacht waren, nach dem wochenlangen Regen zu modern.

Angesiedelt hatte sich im Steinhaufen übrigens noch niemand, nur die Wühlmäuse haben ein paar Eicheln in den Hohlräumen versteckt. Allerdings war auch der Regen eingedrungen und die Erde sukzessive nachgerutscht, sodass die Drainage aus Schotter schon mit Lehm vermischt war. Bei der neuen Grube ist also eine bessere Abdeckung nötig.

Diese neue Grube ist nun etwa einen Meter tief, einen Meter breit und 1,50 Meter lang – genug Platz also, damit mehrere Tiere frostfrei überwintern können. Die alte Grube wird zum Sandplatz werden, auf dem die Weibchen ihre Eier ablegen. Mit dem Aushub will ich die angrenzende Fläche modellieren, sodass die Tiere eine etwas natürlichere Mini-Landschaft vorfinden.

Da eine größere Grube auch mehr Füllung braucht, schleppe ich mit dem Fahrrad gerade jeden Tag Ziegelsteine zur Wiese. Es sind die alten, leuchtend roten Steine im Reichsformat. Ich hatte sie mal bei Bauarbeiten an der Ravensberger Spinnerei gefunden. Es sind schon 25 Steine verbaut, doch die Grube ist noch nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. Das wird so zwischen den Jahren doch noch eine größere Aufgabe, scheint mir.

Futterhäuser: Schön, aber unpraktisch

Auch die Sache mit der Winterfütterung hat mir keine Ruhe gelassen. Dass Kohlmeisen zum Kannibalismus neigen, hätte ich wohl besser nicht gelesen. Denn an den Futterstationen auf der Wiese tummeln sich vor allem... Kohlmeisen. Da es seit zwei Tagen Frost hat, fände ich es aber auch unfair, ihnen gerade jetzt das Futter zu entziehen. Vielleicht werde ich stattdessen zur Brutzeit einfach weiterfüttern, um den Konkurrenzdruck zu minimieren.

Trotzdem habe ich die beiden Futterhäuser aus Holz verschenkt, denn sie waren meiner Meinung nach ein Fehlkauf. Leider, denn dieser Betrag aus dem Crowdfunding ist damit verloren. Es gibt mehrere typische Schwächen, die auch viele andere Häuschen haben, dennoch werden sie immer weiter produziert, was ich nicht nachvollziehen kann.

So hat der wochenlange Regen das Futter von unter her durchgeweicht, sodass es hinter der Plexiglasscheibe nicht mehr nachrutschen konnte. Das aufgeqollene Futter verstopfte dann die Abflusslöcher, was das Problem verstärkte. Die Dächer von Futterhäusern scheinen sowieso regelhaft zu klein zu sein, sodass die Körner und Flocken schnell nass werden. Es droht dann Schimmel, was sicher nicht im Sinne der Erfinder ist.

Bei diesen Häuschen kam hinzu, dass die Verarbeitung im Innenraum sehr mangelhaft ist, es gibt nämlich tote Ecken, aus denen man das Futter nicht mehr entfernen kann. Also wieder Schimmelgefahr. Das alles hat mich sehr geärgert, zumal ich bei Vivara gekauft habe, einem NABU-Partner. Dass der Landeplatz nicht optimal ist, hätte ich mir dagegen selbst denken können, denn er verleitet die Vögel dazu, ins Futter zu koten, was oft Ursache von Krankheiten ist.

Warum nur mussten es die klassischen Futterhäuschen sein, obwohl ich schon beim Kauf ein ungutes Gefühl hatte? Nostalgische Anwandlungen etwa? – Natürlich, denn ein Holzhäuschen sieht einfach hübscher aus als ein Metallkorb, das ist bei den Häusern für Menschen ja nicht viel anders. Ich habe mich also über die Emotionen fangen lassen, den ältesten Trick der Werbeindustrie.

Seit gestern hängen deshalb nur noch Halterungen für Fettblöcke und Meisenknödel an der Wiese. Das Gitter ist aus Metall und gut zu reinigen, die Vögel erleichtern sich nach unten auf die Wiese – und auch weniger elegante Kletterkünstler können das Futter erreichen, weil ich das Regenschutzdach entfernt habe. So waren schon das Rotkehlchen und der Mittelspecht an den neuen Aufhängungen zu sehen.

Den Vögeln ist die Verpackung ziemlich egal, das ist offensichtlich, denn die Drahtkörbe sind gut besucht. Außerdem ist mir aufgefallen, dass eine Futterstation an einem Baum oder neben einem Gebüsch besser frequentiert wird als auf freier Fläche. Zwar ist eine sich anschleichende Katze dann nicht so schnell zu entdecken, aber die Vögel können schneller ins Dickicht flüchten. Womöglich ist der Sperber von oben viel gefährlicher als eine satte Hauskatze von unten.

Das große Geschäft mit dem Artenschutz

Wenn ich mir all die Internetseiten mit Futterstationen anschaue, kommt es mir ein bisschen vor wie bei den »Bienenhotels«. Viele Hersteller haben das große Geschäft mit dem Tier- und Artenschutz erkannt, unsere Empathie und unseren Wunsch zu helfen, und werfen tonnenweise Ware auf den Markt. Doch der praktische Nutzen ist oft fragwürdig.

Für wen zum Beispiel liegen die ganzen Tannenzapfen in den Insektenhotels? Und warum sind selbst renommierte Hersteller nicht in der Lage, Niströhrchen mit glatten Rändern zu produzieren, an denen die Wildbienen nicht ihre Flügel verletzen? Bei meinem eigenen Futterhäuschen aus Metall ist es so, dass die Aufhängung durch das Dach gezogen wurde und damit unweigerlich ein Loch entsteht. Das Regenwasser läuft also am Metallfaden entlang direkt ins Innere des Häuschens und tropft dort aufs Futter. Man möchte schon fast an Absicht glauben, so offensichtlich sind diese Fehlkonstruktionen.

Doch die Futterstationen und Nisthilfen weisen noch eine ganz andere Problematik auf, die unsere gut gemeinten Bemühungen quasi unterläuft: Den wirklich bedrohten Tieren ist damit nämlich nicht geholfen. Eine Winterfütterung ist für seltene Vogelarten zum Beispiel nicht interessant, ein Bienenhotel für seltene Wildbienen-Arten nicht. Sie tauchen an unseren Ersatz-Produkten nie auf, weil sie ganz andere Lebensräume und die richtigen Futterpflanzen brauchen. Und da wir sie nie gesehen haben, vermissen wir sie auch nicht.

Bei den Vögeln sind das zum Beispiel die Feldlerche, der Kiebitz, der Steinschmätzer, der Wendehals oder der Wiedehopf. Sie brauchen feuchte Wiesen, Baumhöhlen, Brachflächen, offenen Boden oder Steinbrüche – alles Lebensräume, die ebenfalls vom Aussterben bedroht sind. Bei den Wildbienen sieht es ähnlich aus: Gefährdet oder schon ausgestorben sind vor allem Arten, die im Sand, an offenen Bodenstellen, an Abbruchkanten oder im Totholz nisten oder solche, die auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen sind.

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