Auf frischer Tat ertappt

von m. swiergot

Seit Wochen sammle ich nun die schwarzen, weichen Walnüsse vom Boden auf. Wenn das so weitergeht, ist zur Erntezeit nichts mehr übrig. Immer wieder mal habe ich eine der matschigen Früchte aufgeschnitten, aber nichts darin gefunden außer – Matsch und eine leichte Ahnung von Nuss. Heute jedoch war es anders. Heute hat sich der Täter ziemlich eindeutig zu erkennen gegeben. In diesem Falle eine Täterin: die Made der Walnuss-Fruchtfliege.

Wie andere Fruchtfliegen frisst sie sich zuerst durch das Fruchfleisch, lässt sich dann zu Boden fallen und gräbt sich dort ein. Im nächsten Sommer steigt aus dem Boden dann das Grauen eine neue Generation von Fruchtfliegen auf. Es ist also ratsam, sowohl die Früchte aufzusammeln und zu vernichten als auch die Baumscheibe ab Ende Juni mit einem Vlies abzudecken.

Um den Befall abzuklären, können ab Juli auch Gelbtafeln im Baum aufgehängt werden. Es liegt allerdings in der Natur der Sache, dass sie nicht selektiv wirken. Es bleibt alles daran kleben, was so vorbeifliegt. Das ist also keine gute Alternative und sollte nur zur Abklärung oder am besten gar nicht gemacht werden. Wer wachsam die Augen schweifen lässt, wird die durchaus hübsche Fliege schnell entdecken. Ihre Heimat sind eigentlich die USA, doch das zunehmend warme Klima lässt sie auch bei uns bestens leben.

Eine Mitarbeiterin der Stadt machte mich übrigens darauf aufmerksam, dass die Walnuss-Fruchtfliege auch Komplizen hat. Sie meinte damit nicht etwa die Kirschfruchtfliege, die eine nahe Verwandte ist. Nein, es geht um eine gänzlich andere Spezies, nämlich das Eichhörnchen. Eigentlich ist es ja immer im ADHS-Modus, aber beim Spiel und bei der Futtersuche übertrifft es sich selbst.

Wenn es demnächst also wieder hunderte von Nüssen für den Winter zusammenklaubt, nur um sie einzeln im Boden zu verstecken und dann zu vergessen – tja, dann verteilt es die Maden der Fruchtfliege kreuz und quer in der Botanik und unsere Bemühungen werden etwas... sagen wir mal, absurd.

 

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