Ein Heumandl in Ostwestfalen

von m. swiergot

Heumandl, Heureiter, Heinze
Das schlichte Dreibein nimmt jede Menge Heu auf.

Der Herbst naht mit schnellen Schritten, abends ist es nach der letzten Hitzeperiode plötzlich empfindlich kühl. Ich muss mich also um die Herbstmahd kümmern, möchte aber auch den Tieren rechtzeitig ein paar Unterkünfte bauen. Da ein paar sonnige Tage angesagt sind, packe ich die Sense ein und fahre zur Wiese. Sensen, Heu trocknen, Reisig- und Holzhaufen aufschichten – das sind die Aufgaben für die nächsten zwei Wochen.

Eigentlich sollten ja die TeilnehmerInnen des Sensenkurses einen Teil der Wiese stutzen. Susanne Kurz wollte ihn am Samstag anleiten, doch sie ist kurzfristig erkrankt. Bei ihr habe ich im Freilichtmuseum Detmold das Sensen gelernt und sie deshalb auf die Bielefelder Wiese eingeladen. Sie ist ein wandelndes Lexikon in Sachen Landschaftsökologie, und sie erklärt die Zusammenhänge so spannend und lebhaft, dass es eine Freude ist ihr zuzuhören.

Nun muss es ohne sie gehen, leider. Als Ersatz habe ich das Internet zu Rate gezogen, denn ich wollte vor allem wissen, was ich mit dem geschnittenen Gras mache, wenn abends die Wiese so früh beschattet ist und dann feucht wird. Bei der Suche bin ich auf viele alte Filme und Bilder gestoßen, die eine Ahnung aufkommen lassen, wie anstrengend früher das Heumachen war. Aber auch, wie einfallsreich die Menschen gewesen sind, denn es gibt unzählige Arten des Heutrocknens.

Ich habe mich für eine sehr praktische entschieden: das dreibeinige "Heumandl", wie man es in Süddeutschland benutzt hat. Mit einer kleinen Abwandlung war es schnell gebaut und ist auch gut zu transportieren, weil es zusammenklappbar ist. Die drei Pfähle werden mit einem Seil zu einem Dreibein verbunden, darüber setzte ich zwei Dreiecke aus je drei Latten, die mit Schrauben und Muttern verbunden sind. So habe ich zwei Etagen zum Schichten.

Ein bisschen stolz war ich schon, denn ich wusste, mit diesem Gestell wird die Wiese aussehen wie früher und viele Ältere, die vorübergehen, an ihre Kindheit erinnern. Doch der erste Versuch am vergangenen Wochenende fiel buchstäblich ins Wasser. Als das Heu am Mandl hing, fing es nachts an zu regnen und hörte erst einen Tag später wieder auf. Ich musste alles wieder herunterholen und nochmal auf der Wiese ausbreiten, jeden Tag zweimal wenden und auf Wind und Sonne hoffen.

Normalerweise sind Heureiter genau dafür gedacht: für schlechtes Wetter. Doch damit sie funktionieren, müssen sie dachziegelartig bis oben hin geschichtet sein, also ganz vollhängen. Nur so kann der Regen an der äußeren Schicht ablaufen, während es innen trocken bleibt. Da ich noch nicht genug gesenst hatte, hing also zu wenig Material am Mandl, der Regen lief in alle Lücken und Ritzen. Eine harte Schule.

Heute jedoch hat es geklappt, der starke Wind der vergangenen Tage hat nachgeholfen. Das Heu hängt nun abholbereit, und ich habe gleich die nächste Fuhre gesenst. Bei Ebay Kleinanzeigen biete ich es gegen ein kleines Entgelt an, denn es ist gutes Heu und ich habe viel Zeit dafür investiert. Ich bin sehr gespannt, ob das funktionieren wird. Ich habe nämlich schon gelesen, dass einige ihr Heu verschenken, vor allem im Osten Deutschlands. Doch das ist schade, denn es ist ein regionales Produkt, wertvoll und nachhaltig, ohne Plastikverpackung. Der Erlös könnte wieder in die Wiese fließen, und der Kreislauf wäre geschlossen.

Zurück